Alexandria I – IV

Alexandria I
1999 – 2000
LightJet Prints – (Super 8 Film Stills)
60 x 90 cm, 67 x 60 cm


Alexandria II
1999 – 2001
LightJet Prints, Inkjet Prints – (Super 8 Film Stills)
20 x 25 cm – 60 x 90 cm


Alexandria III
2004 – 2005
LightJet Prints, Inkjet Prints – (Super 8 Film Stills)
13 x 20 – 40 x 50 cm


PHOTONEWS Mai 06
Houston FotoFest – Entdeckungen vom ‘Meeting Place’
Von Anna Gripp

photonews-houston


Alexandria IV
2005
LightJet Prints – (Super 8 Film Stills)
48 x 70 – 78,5 x 111,5 cm – 132,5 x 89,5 cm – gerahmt

Fotografien, Zeichnungen, Siebdruck
Ausstellung: KunstZeugHaus Rapperswil
8. November 2008 – 4. Januar 2009

KunstZeugHaus-1


Alexandria I-IV
1999 -2005

Erinnerung sei, so schrieb Blumenberg einst, nichts anderes, als die Durchsetzung von Identität gegen die Einbrüche von Diskontinuität, von Verlust, von Vergessen.

Filme sind Spuren, Lebensspuren. Ich folge den Bildern der Vergangenheit wie jemand einer Fährte folgt. Insofern suche ich nach Antworten auf die Frage, aus welchem Zentrum heraus ich arbeite, wir alle arbeiten, fühlen, denken, erinnern und vergessen, so dass die Bilder, die wir wählen und in uns haben, wie Steine in einem Gewässer sind, auf denen wir sicher über die Tiefen des Wassers schreiten. Manchmal indes verhält es sich auch umgekehrt. Die Bilder sind dann Steine, an denen wir nicht vorbeikommen. Sie stellen sich uns in den Weg, sind gegen unsere Gewissheit und folglich auch gegen unsere Erinnerung gerichtet. Sie stehen gross da und verhalten sich zu unserer Erinnerung wie verschiedene, uns konkurrierende Identitäten.

Die Filme aus meiner Kindheit haben ein eigenes Leben, eine eigene Richtung. Es sind nicht Bilder oder Momente, die ich aufgezeichnet habe, sondern jemand anderer, und ich schaue nachträglich durch diese Augen, so wie dieser Andere sah, wie er selbst sich sah durch das Aussen, seine Zeit.
Seine Bilder sind mit meinen nicht deckungsgleich. Mein Aussen ist ein anderes, ebenso mein Empfinden, mein Wollen, mein Tun, meine Vorstellungen – und doch finde ich nachträglich in all dem Aufgezeichneten genaue Bilder; genau im Sinne von verdichteter, allgemeiner Erfahrung. Sie berühren mich auf eine ganz bestimmte Weise; nicht, weil ich durch diese an ein Ereignis erinnert werde, – ich suche nicht Zustimmung -, sondern weil etwas Allgemeines und Tiefliegenderes, etwas tief im Innern Liegendes, Menschliches in mir aufsteigt. Vielleicht erkenne ich eine Sehnsucht oder eine Verlassenheit, ein Alleinsein, eine Furcht oder eine Freude, ein Staunen, ein Verlangen.

Sah ich von den langen Momenten ab auf denen die Familie abgebildet war, oft winkend, zu oft vielleicht, als dass es sich nicht als Winken gegen die Zeit anfühlte, war ich anfänglich überrascht über das Aufgezeichnete und dessen Ähnlichkeit mit meiner bisherigen Bildaufzeichnung. Aber was zeichnet man denn sonst ab ausser Landschaften und Häuser und andere Menschen und das Wasser um einen herum oder die Blumen auf der Wiese; die Schiffe, die vor dem Auge und der Seele vorbeiziehen oder die Berge im Hintergrund; die, sobald wir nicht zu sehen sind, sofort in den Vordergrund rücken. Sie sind gewaltiger, dauerhafter und ewiger in ihrem Sein und Fortbestand.
Dennoch hat mich die Ähnlichkeit erstaunt, auch in der Wiederholung: die blühenden Bäume und deren Metamorphosen durch die Jahreszeiten, und vor allem auch das viele Wasser, an das man reiste oder an dem man wohnte. Es setzte sich in meiner Seele ab und beeinflusste, im wahrsten Sinne des Wortes, auch meine Bildinhalte. Erinnerung ist eingeschrieben in den Körper, den Blick, den Wunsch, die Sprache. Erinnerung ist Abdruck, ist eigene körperliche Gegenwart-  Gegenwart von Vergangenem, zu dem wir geworden sind.
(1999 / 2005)